Zocken auf 3 Bildschirmen – Bringt das was?

Ich war schon immer das, was man unter Gamern gemeinhin als „Grafik-Hure“ bezeichnet: Eine Person, die besonders viel Wert auf grafische Leistung eines Videospiels legt.

Versteht mich nicht falsch, auch kleinere und grafisch weniger anspruchsvolle Titel werden von mir gespielt und geliebt, schließlich ist Grafik in Spielen dann doch nicht alles. Aber wenn mir mal ein Schmuckstück über den Weg läuft, das mit seinen Details und Texturen zu beeindrucken weiß, ist es für mich wie ein Zwang die Grafikeinstellungen bis zum Maximum hochzuschrauben um auch ja jedes Fünkchen an Details aus der Grafik-Engine zu quetschen… Und meinen Rechner damit an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit zu bringen.


„Aber wofür brauchst du drei Monitore, ist das nicht total unnötig?“

„Was soll das denn überhaupt bringen, investiere doch lieber in einen 4K- oder UltraWide-Monitor, da hast du doch viel mehr von!“


Sätze, die ich so oder so ähnlich oft zu hören bekomme, wenn Freunde oder Bekannte von meinem Rechner mit drei Bildschirmen hören. Die Antwort ist einfach: Ich will in die Spielwelt eintauchen, und das tiefer als es mir eine einzelne Anzeige ermöglicht. Gleichzeitig nutze ich die Vorteile mehrer Bildschirme als Arbeitsumgebung. Leider bietet Virtual Reality (noch) keine praktikable Alternative, weswegen ein sehr breites Sichtfeld die beste Immersion in Spielen für mich darstellt.

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Die Skepsis gegenüber drei Bildschirmen ist aber durchaus nachvollziehbar, ein Setup mit mehr als zwei Monitoren ist ja auch eher ungewöhnlich und kommt selten vor, wobei diese dann meistens primär zum Arbeiten oder Auslagern einer bestimmten Anwendung beim Zocken genutzt werden (z.B. Streaming, Teamspeak oder Browser).


Dass das Spielen auf drei Monitoren überhaupt einen Mehrwert bietet glauben die Wenigsten. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand, was leicht an der Entwicklung der gängigen Bildschirmformate zu sehen ist:

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Bis in die 1990er Jahre war bei den damals noch analogen Anzeigegeräten ein Seitenverhältnis von 4:3 standard, im digitalen Zeitalter folgten mit 16:9 ein Bildformat für den Konsum-Bereich und mit 21:9 ein Format für die optimale Darstellung von Kinofilmen. Speziell im Gaming-Bereich wurde das Potential eines großen Sichtfelds als Tor in die 3D-Spielwelt erkannt, was in den letzten Jahren zu der Entwicklung von UltraWide-Bildschirmen mit teilweise sehr exotischen Seitenverhältnissen wie 32:9 geführt hat.
Viele Spieler stehen diesem Trend allerdings eher skeptisch gegenüber, da in ihren Augen das erweiterte Sichtfeld eher beschränkende Eigenschaften hat. So wird das nach außen verzerrt wirkende Bild oder die weit vom Benutzer entfernten Anzeige-Elemente wie Mini-Map oder Lebensleiste als eher störend empfunden, vor allem wenn man den Kopf zur Seite drehen muss um bestimmte  Anzeigen sehen zu können.

Hier liegt auch einer der großen Schwachpunkte vom Spielen auf drei Bildschirmen. Ältere Spiele und (leider) auch viele der neu erschienen Titel laufen entweder nur eingeschränkt oder gar nicht in überbreiten Auflösungen. Hierzu muss man wissen, dass es bei weitem nicht reicht, einfach nur drei Bildschirme an den Rechner anzuschließen um auf ihnen Spielen zu können. Anwendungen im Vollbild-Modus starten ohne zusätzliche Einstellungen unter Windows grundsätzlich nur auf der primären Anzeige, und das Spielen im Fenster-Modus ist auch keine zufriedenstellende Lösung. Damit alle drei Bildschirme zusammen in Spielen genutzt werden können müssen zuerst einige Dinge beachtet und eingerichtet werden, eine ausführliche Anleitung dazu findet ihr hier.

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Hellblade: Senua’s Sacrifice in 5760×1080 Pixeln

Das vereinfachte Grundprinzip dabei ist folgendes: Der Grafiktreiber schaltet die angeschlossenen Bildschirme zu einer gemeinsamen virtuellen Anzeige zusammen, welche Windows als einzelnen großen Monitor erkennt. Wer viel Zeit an einem Windows-Rechner verbringt kann sich denken, dass dabei so einige Probleme auftreten können.

Lassen sich dann alle drei Bildschirme gemeinsam in Spielen nutzten, stolpert man schnell über zahlreiche Probleme und Fehler, die Besitzer von Multi-Monitoring-Systemen in Schweiß ausbrechen lassen. Wie oben bereits erwähnt sind nur die wenigsten Spiele von Haus aus für ungewöhnliche Seitenverhältnisse optimiert, und nur mit Glück lässt sich die benutzerdefinierte Auflösung im Spiel überhaupt erst auswählen. Ist diese Hürde gemeistert, müssen wir uns nur allzu oft mit gestreckten Inhalten, abgeschnittenen Cutscenes oder falschen Kamera-Positionierungen herumärgern.


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NVIDIA Surround – offizielle Website

Doch es geht auch anders. Immer mehr Entwickler unterstützen in ihren Spielen selbst absurd hohe Auflösungen, und sogar die Game-Overlays richten sich in gut optimierten Spielen nach der Anzeigen-Anordnung. Abgesehen davon gibt es mitlerweile einige sehr gute Anwendungen, die über modifikationen am Videospeicher eine große Fülle an alten und aktuellen Spielen auch auf mehreren Bildschrimen  lauffähig machen.

Klar, manche Games sind auch einfach schon aus Prinzip nicht für extreme Seitenverhältnisse ausgelegt. Wer will schließlich bei Rundestrategie oder im Freizeitpark-Simulator den gesamten Spielinhalt auf drei Monitore gestreckt bekommen, alleine der Übersicht halber ist das nicht empfehlenswert.

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Evolve Special Edition Extreme

Das genaue Gegenteil bilden jedoch Rennspiele und Weltraum-Simulationen. Hier können die seitlichen Bildschirme perfekt in das Spielerlebnis eingebunden werden, da sie als Seitenfenster auch in der wirklichen Welt vorhanden sind. Wer mal mit dem Joystick in der Hand in einem virtuellen Cockpit gesessen und durch die seitlichen Monitore in den Weiten des Weltalls fremde Raumschiffe bei ihren Flugmanövern beobachtet hat, will diese Erfahrung nicht mehr missen.


Kurzum, Gaming auf drei Bildschirmen ist eine absolute Gratwanderung. Man braucht Platz und entsprechende Grafikleistung für die Bildschirme, zusätzlich gibt es viele technische Probleme und mangelnde Software-Unterstützung. Hat man dann aber allen Problemen getrotzt und anfängliche Schwierigkeiten überwunden, wird man mit einem unglaublich immersiven Erlebnis belohnt. Und das ist mir jede Mühe wert.

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